Basiswissen Gesichtspflege Selber machen

Warum du ab sofort dein Gesichtswasser selber machen solltest & 3 Rezepte für unterschiedliche Hauttypen

6. April 2020

Ich wurde in meiner Karriere schon sehr sehr oft gefragt, warum man eigentlich ein Gesichtswasser benutzen sollte. Das ist eine sehr wichtige Frage, denn Gesichtswasser – auch Toner oder Tonic genannt – ist ein Schritt in der Beauty-Routine, der oft unterschätzt wird, aber maßgeblich zur Hautgesundheit beiträgt. Ich möchte dir in diesem Beitrag nicht nur ans Herz legen, regelmäßig ein Gesichtswasser zu benutzen, sondern es auch direkt selbst zu machen.

Der oft unterschätzte, wichtigste Schritt in der Gesichtsreinigung

Ein Gesichtswasser ist im Endeffekt der zweite (manchmal auch dritte) Teil der Gesichtsreinigung. Es schließt die Reinigung ab und leitet die Pflege ein. Daher ist es auch so wichtig, ein Gesichtswasser zu benutzen.

  1. Es entfernt die letzten Rückstände von Schmutz, Talg und Unreinheiten.
  2. Gleichzeitig tonisiert es die Haut, damit die anschließende Pflege überhaupt einziehen kann.

Was bedeutet “tonisieren”?

Vom Wort “tonisieren” stammt auch die Bezeichnung Tonic oder Toner ab, die synonym für Gesichtswasser verwendet werden. Es bedeutet, dass die Haut gestärkt wird. Hier zeigt sich auch die wahre Bedeutung eines Gesichtswassers. Es kräftigt die Hautschutzbarriere. In dem Moment, in dem ich meine Haut reinige (mit einem Produkt und Wasser), habe ich zwei Reizfaktoren: Wasser und die Tenside (Inwiefern diese die Haut reizen, kannst du hier nachlesen.).

Hier entsteht ein Dilemma: Denn dieser erste Reinigungsschritt ist extrem wichtig, um die Haut von Schmutz, Make-Up und Talg zu befreien. Nur so kann sie überhaupt gepflegt werden. Gleichzeitig greift dieser erste Schritt auch die Haut an, weil der pH-Wert aus dem Gleichgewicht gerät. Der sogenannte Hydrolipidfilm, der quasi unser Schutzschild ist, wird geschwächt und baut sich erst nach 5-6 Stunden wieder vollständig auf. In dieser Zeit wäre die Haut sehr anfällig für freie Radikale, Bakterien und sonstige Eindringlinge. Außerdem verpufft der Pflegeeffekt der (womöglich teuren) Creme, denn sie könnte gar nicht richtig einziehen.

Hier kommt das Gesichtswasser ins Spiel. Man trägt es üblicherweise mit einem Wattepad auf, wodurch zum einen die letzten Rückstände von Schmutz, Make-Up und Talg entfernt werden, die sich nach dem ersten Reinigungsschritt noch auf dem Gesicht befinden. Gleichzeitig stabilisiert es unmittelbar den pH-Wert der Haut und rehabilitiert unseren hauteigenen Schutzfilm. Die anschließende Pflege kann in die Haut eindringen und dort wirken.

Rezeptidee: Tensidfreie Gesichtsreinigung mit gemahlenen Mandeln

Eine klassische Reinigungs- und Pflegeroutine (3 Varianten)

Im Wesentlichen besteht eine Gesichtsreinigung aus diesen drei Schritten:

  1. Reinigung mit einem Reinigungsprodukt (z.B. Reinigungsmilch, Reinigungsgel, Reinigungsöl oder Reinigungsschaum)
  2. Gesichtswasser
  3. Creme

Es gibt eine Reinigungsmethode aus Asien, die auch hierzulande immer bekannter wird. Das sogenannte Double Cleansing, bei dem zwei Reinigungsprodukte verwendet werden. Man beginnt mit einem öligen Produkt und benutzt im Anschluss ein zweites, diesmal wässriges Reinigungsprodukt. Erst dann folgen die weiteren Schritte. Damit soll gewährleistet werden, dass das Gesichts porentief gereinigt wird. Diese Reinigungsroutine eignet sich beispielsweise am ehesten für Mischhaut, normale Haut und fettige Haut, sofern es sich um sanft reinigende Naturkosmetik handelt. Für besonders trockene oder unreine Haut empfehle ich diese Methode nicht unbedingt, da sie zu stark reinigen kann. Die Schritte würden dann so ausschauen:

  1. Öliges Reinigungsprodukt (z.B. Reinigungsmilch, Reinigungscreme oder Reinigungsöl)
  2. Wässriges Reinigungsprodukt (z.B. Reinigungsgel oder Reinigungsschaum)
  3. Gesichtswasser
  4. Creme

Für Haut, die eine Extraportion Pflege benötigt (z.B. reife, feuchtigkeitsarme, trockene, empfindliche oder unreine Haut) würde sich eher so eine Reinigungs- und Pflegeroutine anbieten:

  1. Reinigung mit einem Reinigungsprodukt (z.B. Reinigungsmilch, Reinigungsgel, Reinigungsöl oder Reinigungspaste)
  2. Gesichtswasser
  3. Feuchtigkeitsserum
  4. Creme
  5. Eventuell Gesichtsöl (im Winter oder nachts)

5 Gründe, warum du dein Gesichtswasser selber machen solltest

  1. Sehr viele Gesichtswasser enthalten Alkohol. Auf der INCI erkennst du Alkohol unter den Bezeichnungen Alcohol oder Alcohol denat. Alkohol trocknet die Haut aus und schadet der Hautbarriere. Er ist ein günstiger Konservierungsstoff, der natürlich ist (und sogar bio sein kann), weswegen er auch häufig in Naturkosmetikprodukten eingesetzt wird.
  2. In indistriell hergestelltem Gesichtswasser finden sich sehr oft erdölbasierte, bedenkliche Inhaltsstoffe, die die Hautbarriere schwächen können (z.B. Propylene Glycol, Disodium EDTA, Tetrasodium EDTA, Methylpropanediol, Propanediol uvm.) Lesetipp: So erkennst du, was Naturkosmetik ist und was nicht.
  3. Herkömmliche Gesichtswasser aus dem Handel sind in der Regel nicht frei von Duft. Duft, egal ob synthetisch oder natürlich, hat immer ein mehr oder weniger starkes Reizpotential. Gerade in der Gesichtspflege kann zu viel Duft langfristig zu Reizungen oder (Über-)Empfindlichkeiten führen.
  4. Die meisten Gesichtswasser im Niedrig- oder Mittelpreisniveau sind in Plastik verpackt. Da man Gesichtswasser in der Regel 2x pro Tag verwendet, braucht es sich recht schnell auf. Man verursacht dadurch sehr viel Plastik- und Verpackungsmüll.
  5. Viele hochwertigere Produkte werden in Glasflaschen angeboten. Diese sind oft sehr klein und reichen nur eine kurze Zeit, wenn das Gesichtswasser regelmäßig verwendet wird. Dadurch ist es auf Dauer sehr teuer und man verursacht ebenso, wenn auch Glas, Verpackungsmüll.

3 Rezeptideen für selbst gemachtes Gesichtswasser ohne Alkohol

Ich möchte dir zum Abschluss dieses Beitrags noch 3 Rezepte vorstellen, mit deren Hilfe du dir selbst ein Gesichtswasser machen kannst. Die Rohstoffe müsstest du natürlich auch einkaufen, daher ist es mehr less waste als zero waste. Dafür sind es zum Teil Zutaten, die du so oder so schon in deiner Küche stehen hast, oder solche, die du ohne Probleme in größeren Mengen bestellen kannst. So hast du unterm Strich mehr Gutes für weniger Geld und sparst vor allem Plastikmüll.

Gesichtswasser mit Rosenblütenwasser

Blütenwasser ist generell ein tolles Produkt zur natürlichen Hautpflege. Ich möchte gar nicht weiter auf die generell positiven Eigenschaften von Blütenwasser eingehen. Das werde ich an anderer Stelle ausführlicher tun. Auf jeden Fall aber ist Blütenwasser eine wunderbare Grundlage für ein selbst gemachtes Gesichtswassser. Die Rose sorgt in diesem Hydrolat für einen zarten blumigen Duft ganz ohne zusätzliche Duftstoffe. Im Allgemeinen hat Rosenhydrolat eine regenerierende, stärkende und hautpflegende Wirkung. Es eignet sich hervorragend für diese Hauttypen:

  • reife Haut
  • trockene Haut
  • normale Haut

Auf 100 ml kommen 90 ml Rosenblütenwasser und 10 ml Glycerin. Fülle beides in eine Sprüh- oder Pumpflasche und trage das Gesichtswasser morgens und abends mit einem Wattepad auf. Hinterher wie gewohnt eincremen. Profi-Tipp: Beide Zutaten bekommst in in der Regel in der Apotheke, Reformhaus oder online.

Gesichtswasser mit Lavendelblütenwasser

Lavendelblütenwasser hat, da es wie alle Hydrolate ein Beiprodukt der Wasserdampfdestillation ist, ähnliche Eigenschaften wie ätherisches Lavendelöl. Es wirkt beruhigend und entzündungshemmend, weswegen es sich natürlich vor allem für diese Hauttypen eignet:

  • empfindliche Haut
  • unreine Haut
  • normale Haut
  • Mischhaut

Auf 100 ml kommen 90 ml Lavendelblütenwasser und 10 ml Glycerin. Fülle beides in eine Sprüh- oder Pumpflasche und trage das Gesichtswasser morgens und abends mit einem Wattepad auf. Hinterher wie gewohnt eincremen. Profi-Tipp: Beide Zutaten bekommst in in der Regel in der Apotheke, Reformhaus oder online.

Gesichtswasser mit Apfelessig & grünem Tee

Apfelessig kennst du wahrscheinlich eher vom Salatdressing. Aber als Gesichtswasser? Dabei ist Apfelessig auch ein heimlicher Superstar im Badezimmer. Besonders bei unreiner Haut. Ich nutze regelmäßig meinen SOS-Toner mit Apfelessig und grünem Tee. Insbesondere wenn mich wieder hormonell bedingte Unreinheiten ärgern. Er stabilisiert den pH-Wert der Haut und stärkt ihre Abwehrkräfte. Grüner Tee regt die Zellerneuerung an und wirkt antibakteriell.

  • unreine Haut
  • fettige Haut
  • SOS-Haut (hormonell bedingte Dysbalancen)

Einfach grünen Tee aufbrühen und abkühlen lassen. Auf 100 ml kommen 70 ml grüner Tee und 30 ml Apfelessig. Fülle beides in eine Sprüh- oder Pumpflasche und trage das Gesichtswasser abends nach der Reinigung mit einem Wattepad auf. Hinterher wie gewohnt eincremen. 

Ich hoffe, du hast Lust bekommen, dein Gesichtswasser in Zukunft selber zu machen. Wenn du noch mehr Naturkosmetik selber machen möchtest, kann ich dir meine Workshops, meinen Online-Workshop und meinen Onlinekurs empfehlen.

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