Basiswissen Umstieg auf Naturkosmetik

Der Unterschied zwischen festem Shampoo und Haarseife

5. März 2020

Ich stolpere in Geschäften und Onlineshops immer wieder über vermeintliche “Feste Shampoos”, aber eigentlich handelt es sich dabei um Haarseife. Mich ärgern solche Verpackungen sehr, denn es ist absolute Irreführung. Vielleicht denkst du jetzt “Ist festes Shampoo und Haarseife nicht das Gleiche?!”. Nein. Es würde mein Leben wesentlich einfacher gestalten, aber nein, es ist nicht das gleiche. Die beiden sind sogar grundverschieden. Daher habe ich auch entschieden, einen Blogpost darüber zu schreiben und etwas Licht ins Dunkel zu bringen.

Festes Shampoo vs. Haarseife #1: Der Herstellungsprozess

Der erste große Unterschied zwischen Haarseife und festem Shampoo ist die Herstellung. Während Haarseife, genau wie eine klassische Seife, aus pflanzlichen Ölen und Natronlauge hergestellt wird, braucht man für festes Shampoo Tenside.

Die Seife reift in einem sogenannten Verseifungsprozess. Durch die Natronlauge verwandeln sich die Öle in Seife. Der Aggregatzustand verändert sich also von flüssig zu fest. Außerdem verlieren die Öle in diesem Prozess ihre pflegende Eigenschaft. Übrig bleibt ein Stück Seife, das reinigen soll.

Je nachdem, was es am Ende für eine Seife werden soll – ob Gesichts,- Körper- oder Haarseife – können noch zusätzliche Öle hinzugegeben werden. Dann spricht man von einer Überfettung. Die zusätzlichen Öle werden nicht mit verseift und sollen Haut und Haare pflegen. Dies unterscheidet dann auch beispielsweise die Haarseife von der Kernseife. Dementsprechend entscheiden sich viele Hersteller bei Haarseifen für zusätzliche Öle, die gut für die Haare sind, zum Beispiel Hanföl, Macadamiaöl, Olivenöl oder Arganöl.

Auch in festem Shampoo finden sich natürlich pflegende und feuchtigkeitsspendende Öle. Auch Pflanzenbutter oder Tonerde kommen sowohl in Haarseifen als auch in festen Shampoos zum Einsatz. Was das feste Shampoo allerdings von der Haarseife unterscheidet, sind die eingesetzten Tenside.

Zusammengefasst

  • Seifen werden mit Natronlauge und Ölen hergestellt, woraus in einem Reifungsprozess ein festes, reinigendes Stück wird.
  • Feste Shampoos werden mithilfe von Tensiden hergestellt. Sie sorgen für die Reinigungswirkung.

Festes Shampoo vs. Haarseife #2: Die Inhaltsstoffe

Tenside sind waschaktive Substanzen, die Schmutz und Fett binden können. Sie werden entweder aus zuckerbasierten (natürliche Tenside) oder aus erdölbasierten (synthetische Tenside) Ausgangsstoffen hergestellt. Es gibt sie in flüssiger Form, aber auch in Pulverform oder als Granulat. Die beiden letzteren eignen sich für die Herstellung von festen Shampoos. Ob ein Hersteller ein synthetisches oder ein natürliches Tensid einsetzt, ist ihm überlassen.

Je nachdem, welches Tensid am Ende ins Shampoo kommt, hat es eine starke oder weniger starke Reinigungswirkung. Insbesondere synthetische Sulfate reinigen sehr intensiv, was die Kopfhaut nicht nur langfristig stark austrocknen, sondern auch aus dem Gleichgewicht bringen kann. Sie wird im schlimmsten Fall sogar anfälliger für Allergien oder andere Reizungen. Darüber hinaus belasten synthetische Tenside die Umwelt.

In Naturkosmetik-Shampoos kommen nur Tenside, die aus natürlichen Rohstoffen wie beispielsweise Zucker oder Kokos gewonnen werden. Sie sind biologisch abbaubar und haben eine weniger intensive Reinigungswirkung. Dadurch sind sie wesentlich milder zur Kopfhaut. Ihre Schaumentwicklung ist sehr unterschiedlich. In der Regel schäumen Naturkosmetik-Shampoos allerdings weniger als konventionelle Shampoos. Du kannst dir merken: Je stärker es schäumt, desto intensiver reinigt das Produkt.

Zusammengefasst

  • Es gibt synthetische und natürliche Tenside. Beide Typen finden sich in festen Shampoos.
  • Für Naturkosmetik-Shampoos, egal ob flüssig oder fest, dürfen nur natürliche Tenside verwendet werden.

Festes Shampoo vs. Haarseife #3: Die Anwendung

Bis hier hin war alles recht theoretisch. Du weißt jetzt, dass sich der Herstellungsprozess ganz grundlegend unterscheidet. Und du hast erfahren, dass die eingesetzten Inhaltsstoffe, die am Ende für eine Reinigung sorgen, grundverschieden sind. Nun gehen wir zum praktischen Teil über: die Anwendung. Die ist, zumindest für mich, ausschlaggebend, warum ich feste Shampoos bevorzuge.

Nicht jede Haarstruktur eignet sich für die Reinigung mit Seife. Das liegt zum einen am pH-Wert. Der pH-Wert der Haut liegt bei etwa 5,5-6, der einer Seife bei 9-11. Das ist für unsere Haut nicht optimal, da der pH-Wert quasi unser Schutzschild gegen Eindringlinge ist. Und der gerät so bei jeder Reinigung aus dem Gleichgewicht. Auch Tenside haben, für sich allein betrachtet, nicht den optimalen pH-Wert, aber sie haben zumindest eine bessere Tendenz. Und das fertige Shampoo kann sogar, wenn die Formulierung stimmt, pH-neutral sein.

Durch den alkalischen pH-Wert einer Seife, fühlen sich die Haare in der Regel nach dem Waschen immer noch fettig, fast schon schmierig, an. Das jedenfalls ist meine eigene Erfahrung und die vieler Teilnehmer aus meinen Workshops. Daher muss man die Haare nach dem Waschen abschließend mit einer saure Rinse aus Apfelessig oder Zitronensaft ausspülen. Ihr Säuregehalt soll den pH-Wert regulieren.

Allerdings schafft es die Rinse in der Regel nicht, alle Rückstände der Seife aus den Haaren zu entfernen. Darum fühlen sich die Haare auch nach dem Waschen schwer und “ungewaschen” an. Vor allem, wenn man langes oder krauses Haar hat oder sogar Locken (wie ich). Ich bin mit dem Experiment Haarseife kläglich gescheitert.

Ich habe mal gelesen, dass sich dieses “ungewaschene” Gefühl nach ein paar Monaten von selbst reguliert, weil sich dann die Haare an die Seife gewöhnt haben. Ich habe da keine Erfahrungswerte, kann es mir aus rein theoretischer Sicht aber nicht vorstellen.

Ein festes Shampoo hingegen benutzt du wie dein Flüssigshampoo auch. Es lässt sich leicht auswaschen und die Haare fühlen sich nach dem Waschen gereinigt und sauber an. Du kannst auch bei einem festen Shampoo eine saure Rinse machen. Ich mache sie aus 1 EL Apfelessig auf 1 Liter gefiltertem Wasser. Das ist aber kein Muss. Eine Rinse schließt die Schuppenschicht und löst Kalkrückstände, die sich durch unser Wasser in den Haaren ablagern. Sie kann vor allem für Großstädter eine gute Option sein, da das Wasser in der Regel sehr kalkhaltig ist.

Zusammengefasst

  • Der alkalische pH-Wert der Seife sorgt dafür, dass sich die Haare nach dem Waschen schmierig oder “ungewaschen” anfühlen.
  • Nach dem Waschen mit Seife musst du eine saure Rinse machen. Mit festem Shampoo geht es auch ohne.
  • Festes Shampoo lässt sich ohne Rückstände auswaschen, wie ein klassisches Shampoo.

Wie erkennst du, was es ist?

Die große Preisfrage ist nun also, wie du erkennen kannst, ob es sich um festes Shampoo oder Haarseife handelt. Da hilft tatsächlich nur ein Blick auf die INCI-Liste des Produkts. Die INCI-Liste findest du in der Rgel auf der Verpackung. Sie wird entweder mit “INCI” oder mit “Ingredients” gekennzeichnet. Dabei handelt es sich um die Auszeichnung der Zutaten, die sich im Produkt befinden.

Diese müssen laut EU-Kosmetikverordnung entsprechend auf dem Produkt platziert werden. Meistens sind sie unaussprechlich, da es sich entweder um chemische, englische und/oder botanische Bezeichnungen handelt. Es ist trotzdem gar nicht so schwer zu erkennen, ob das Haarreinigungsprodukt ein Shampoo oder eine Seife ist.

Wie du bereits erfahren hast, wird ein Shampoo mithilfe von Tensiden hergestellt. Mögliche Tenside, die in festen Shampoos zu finden sind, sind diese:

  • SCI: Sodium Cocoyl Isethionate
  • SC: Sodium Cocoate
  • SCS: Sodium Coco Sulfat
  • SLSA: Sodium Lauryl Sulfoacetate
  • SLS: Sodium Lauryl Sulfate

Eine Seife wird aus Natronlauge und Ölen hergestellt. Diese verbinden sich und reifen im sogenannten Verseifungsprozess. Du erkennst die Seife ganz einfach über die INCI-Angaben auf der Verpackung. Der Hinweis “Sodium Hydroxide” (Natriumhydroxid) in Verbindung mit der Angabe diverser Öle und Pflanzenbutter wie “Cocos Nucifera (Coconut) Oil” (Kokosöl), “Butyrospermum Parkii Butter” (Sheabutter) oder “Olea Europaea Fruit Oil” (Olivenöl) lässt erkennen, dass es sich um eine Haarseife handelt.

Ich stelle in meinem Haarpflege-Workshop übrigens auch feste Shampoos her. Das natürliche Tensid, das ich verwende, ist das mildeste, das es momentan am Markt gibt. Es nennt sich Sodium Cocoyl Isethionate, kurz SCI, und wird normalerweise in Baby- und Kinderprodukten eingesetzt. Die Shampoos schäumen angenehm, trocknen die Kopfhaut aber nicht übermäßig aus. Wenn du also ganz sicher sein möchtest, womit du dir die Haare reinigst, dann schau doch mal in meinem Workshop in Berlin vorbei.

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