Stadtleben

Workshops in Berlin: Tinkturen selber machen

7. September 2018

Tinktur, das klingt erst einmal nach Omas Hausmittelchen. Ist auch irgendwie so. Aber in einem hippen Neuköllner Laden namens Edible Alchemy – also „Essbare Chemie“ – bekommt das Ganze einen ziemlich modernen und urbanen Twist. Das ist Berlin, dachte ich mir so, als ich dort auf dem alten Kinosessel saß, um Alexis, der Workshopleiterin zu lauschen. Um es kurz zu machen: Ich war bei einem DIY-Workshop für selbstgemachte Tinkturen. Und ich war danach noch begeisterter von der Kraft, die Pflanzen in sich tragen.

Im Grunde sind Tinkturen Kräuter und Gewürze, die in alkoholischen Auszügen oder Essig „eingelegt“ werden. Der Alkohol sorgt dafür, dass sich die Pflanzenextrakte lösen und in die wässrige Lösung übergehen. Das macht Tinkturen besonders wirksam, denn die Konzentration von den Wirkstoffen der Pflanzen ist verhältnismäßig hoch. Mindestens vier Wochen dauert dieser Prozess des Extrahierens, während dieser Zeit muss das Gefäß, in dem die Tinktur ist, jeden Tag geschüttelt werden. Aber noch mal zurück zum Workshop, ich schweife etwas ab. Du siehst, das Thema hat mich sehr begeistert.

Was ist eigentlich eine Tinktur?

Alexis hat uns in einem ersten Theorieteil einige Pflanzen genauer vorgestellt, unter anderem die klassischen Lavendel, Rosmarin, Lavendel und Thymian, aber auch Frauenmantel, Baldrian, Zimt und Orangenschale. Sie alle haben ganz spezifische Wirkungen auf Körper und Geist, die sie in der Tinktur entfalten. Lavendel etwa wirkt entzündungshemmend und entspannend, Rosmarin entgiftend und anregend, Kamille und Baldrian sorgen für süße Träume. Das Spannende dabei ist, dass Pflanzen, ob in Form einer Tinktur, eines Tees oder eines ätherischen Öls, immer die gleichen Eigenschaften aufweisen. Nur die Konzentrationen sorgen dafür, dass sie weniger stark oder sehr stark wirken. Eine Tinktur wirkt, je nach Menge der Pflanzen, intensiver als zum Beispiel ein klassischer Tee. Durch meine Aromatherapie-Ausbildung hatte ich, was die Pflanzen anging, schon ein bisschen Wissensvorsprung, habe aber trotzdem sehr viel neues aus dem Workshop mitnehmen können. Unter anderem, dass der Alkohol immer mindestens 40% Volumen haben muss und dass man auch eine Essig-Tinktur machen kann, die dann lecker über Salat oder anderen Speisen schmeckt. Aromatherapie zum Essen sozusagen. Und was mir an diesem Abend auch erst so richtig bewusst geworden ist: Wenn auf einem Kosmetikprodukt steht „mit Extrakt xy“, dann ist das im Grunde eine Tinktur. Denn auch für die Naturkosmetik werden die Pflanzen und Früchte in Alkohol extrahiert. Nur eben mit hochprozentigem Weingeist und nicht mit Wodka in Lebensmittelqualität.

Meine eigene Tinktur

Nach besagtem Theorieteil ging es dann endlich ans Machen. Wir durften unsere eigene Kräutermischung zusammenstellen und daraus eine Tinktur mischen. Ich habe eine, zugegebenermaßen, wilde Mischung gemacht – „All Spice“ heißt das in Tinkturensprache – aber ich konnte mich zwischen meinen Lieblingskräutern und -gewürzen einfach nicht entscheiden. Lavendel, Rosmarin, Thymian, Orangenschale, Fenchel, Nelke, Zimt und Kamille haben es schließlich in mein Schraubglas geschafft. Alle Kräuter habe ich einfach getrocknet ins Glas getan, die Gewürze habe ich vorher gemörsert. Das ist immer zu empflehlen bei Tinkturen. Dann lösen sich die Extrakte schneller. Danach kam der Alkohol hinzu, wir haben handelsüblichen Wodka verwendet. Das Verhältnis von Kräutern und Alkohol war bei uns 1:2. Alexis hat uns als Faustregel mit auf den Weg gegeben: 1/3 des Glases Kräuter und Gewürze, 2/3 Alkohol oder Essig. Danach wurde alles gut verschraubt und – ganz wichtig – das Glas vier Wochen lang jeden Tag mindestens ein Mal geschüttelt. Das waren wirklich vier lange Wochen, denn ich konnte das Abseihen gar nicht erwarten. Dazu brauchst du eigentlich nur ein Leinentuch oder, was einfacher geht, einen Nussmilchbeutel aus Hanf oder einem anderen natürlichen Material. Den Inhalt des Glases samt Kräutern und Gewürzen in den Beutel schütten, darunter eine große Schüssel stellen und die Tinktur durch den Nussmilchbeutel drücken. Heraus kommt eine ganz samtige, etwas klebrige Flüssigkeit, die an einen guten Kräuterschnaps erinnert.

Wie verwendet man eigentlich eine Tinktur?

Meine Tinktur hat wirklich lecker geschmeckt, hatte ich gar nicht so erwartet. Da es eine All Spice-Mischung war, habe ich maximal zwei Mal pro Tag eine halbe Pipette unter die Zunge gegeben. Dort gehen die Wirkstoffe am schnellsten in die Schleimhaut über. Wenn es jetzt zum Beispiel eine eher entspannende Mischung gewesen wäre, hätte ich sie vor dem Schlafengehen genommen.

Wenn du selbst Lust auf außergewöhnliche Workshops in Berlin hast, dann empfehle ich dir die Plattform The Makery. Dort findest du auch meine Workshops für Badebomben, Naturkosmetik und natürliche Putzmittel in Berlin.

Das könnte dir auch gefallen

Keine Kommentare

Hinterlasse einen Kommentar